Gestern stellte ich mir beim Gießen und Ausgeizen meiner 45 Tomatenpflanzen in den 3 Tomatenzelten die grundlegende Frage, warum ich eigentlich beim Gemüseanbau so stark auf Tomaten setze?
Klar baue ich auch anderes Gemüse an. Im Vergleich zu der Fläche, die die Tomaten in Beschlag nehmen, ist dies jedoch nahezu lächerlich. Mein Hochbeet, in dem ich K
arotten, Erdbeeren, Salate (Forellenschuß, Chin. Keule, Mangold,...) anbaue, hat gerade mal 4,5m², in den 2 Hügelbeeten tummeln sich 3 Kürbispflanzen und 3 Zucchini. Zusätzlich stehen noch 8 Töpfe gefüllt mit Paprika und Chilli.
Für einen 3 Personenhaushalt reicht dieser Anbau bei weitem nicht aus, um den Bedarf an Gemüse zumindest von Mai bis September zu decken. Von Subsistenz meilenweit entfernt. Um das ganze Jahr über sich mit dem eigenen Gemüse ernähren zu können, wären ca. 40 m² Anbaufläche pro Person nötig. Vielleicht auch noch ein Gefrierschrank, den ich leider (immer noch) nicht habe.
Einzig bei den Tomaten produziere ich so viele, dass der Bedarf das ganze Jahr gedeckt ist. Zwar ernte ich nur in einer Zeitspanne von 3-4 Monaten, durch die gewaltige Menge verzichte ich allerdings die restliche Zeit des Jahres liebend gerne auf die roten Früchte. Umso mehr freue ich mich wieder auf den Erntebeginn. Tomaten sind für mich persönlich der Rolls-Royce unter den Gemüsesorten. Kaum ein Gemüse bietet mehr Stoff für endlose Diskussionen was Anbau, Pflege, Krank
heiten und Verarbeitung betrifft. Es gibt kaum ein Gemüse, von dem es mehr Sorten gibt, als die kolportierten 20.000, die von Bohl angegeben werden.
Das Hobby „Tomaten“ ist vielseitig. Im Winter festlegen auf gewisse Sorten, die später sowieso wieder über den Haufen geworfen werden, organisieren des Saatguts, ab Mitte Februar Ansaat, dann Pikieren,.... Alles in allem beschäftigt mich der Tomatenanbau mehr oder weniger 10 Monate im Jahr.
Kurioserweise reagiere ich auf Tomaten allergisch. Nein, nicht so wie meine vorgetäuschte Wetex-Allergie. Ist nicht besonders schlimm, aber doch vorhanden. Hängt auch stark von der Sorte ab.
Der Lohn für die Arbeit ist natürlich die Ernte – dabei das Wissen, dass genau diese Sorte nicht im Handel erhältlich ist und wenn doch nur zu astronomischen Preisen wie die Costoluto Genovese derzeit am Linzer Südbahnhofmarkt für 4,90€ (0,5kg!).
Hinzu kommt noch ein gewisser Forschungsdrang, eine Experimentierfreudigkeit was das ausprobieren von (für mich neuen) alten Sorten betrifft.
Statt der Tomaten könnte ich mich genauso gut auf Chili oder Zucchini spezialisieren. Vielleicht mache ich das auch mal. Aber wahrscheinlich erst dann, wenn ich alle 20.000 Sorten mindestens 1x angebaut habe. ;-)