Samstag, 8. August 2009

Hybrid or not Hybrid?

Nachdem mir diese Woche so richtig bewußt wurde, dass ich ernährungsbedingt starke Defizite im Bereich Geschmackserkennung aufweise, stellte ich mir die Frage, ob es sich geschmacklich für mich persönlich überhaupt lohnt, "alte" Tomatensorten anzubauen oder lieber auf neue, resistentere und ergiebigere Sorten umzusteigen.

1. Geschmack: Hybridsorten können den alten Sorten nicht annähernd das Wasser reichen. Diese Meinung habe ich bisher vertreten. Doch stimmt dies auch? Oder schmecken Hybride deshalb so lasch, weil bei der Herstellung bzw. beim Transport Fehler passiert sind. Zum Beispiel zu wenig oder gar keine direkte Sonne. Oder die Tomaten werden in eine Kühlkette integriert. Metro ist hierbei ein Spezialist. Egal wie die Tomaten vorher geschmeckt haben, spätestens durch die Kühlschranktemperatur im Verkaufsraum ist der Geschmack dahin. Rückstände von Spritzmittel, Pflanzenschutz,... werden sich noch an den Früchten befinden.... Doch all dies kann man doch im privaten Hobbybereich umgehen.
Meine bisher angebauten Hybridsorten beschränken sich auf Campari F1, Sweet Million F1 und die Philovita. Bis auf letztere haben mir diese Sorten geschmacklich imponiert und stehen z.B. einer Mexikanischen Honigtomate um nichts nahe. Die Philovita ist kulinarisch ein Flop sondergleichen. Allerdings muß ich dazusagen, dass diese standortbedingt die schlechteren Vorraussetzungen aufweist. Neben wirklich hervorragenden alten Sorten gibt es jedoch auch welche, die einen Griff ins Klo darstellen, wie die Safron, Opalka oder Liana Orangevaja.
Fazit: Um bewerten zu können, ob Hybrissorten geschmacklich wirklich schlechter wegkommen als alte Sorten, ist eine Blindverkostung von Tomaten unter gleichen Anbaubedingungen notwendig. Einen Punkt für jeden. 1:1

2. Preis: Bei Hybridsorten im Spitzenbereich liegt der Preis für ein Samenkorn bei rund einem Euro. Klingt jetzt viel. Wenn pro Pflanze mindestens ein Kilo mehr Ertrag dabei herausschaut, hat es sich jedoch schon rentiert. Hybrid-Jungpflanzen gibt es in den Gartenzentren und Baumärkten so ab 3 Euro, "normale" Tomaten ab 60 Cent. Qualitativ hocherwertigere Jungpflanzen der Arche Noah kosten um die 2,20 Euro (wenn ich mich nicht irre). Rein vom Preis her gewinnen hier die alten Sorten. 2:1

3. Krankheiten: Bisher waren alle meine Hybridpflanzen absolut tolerant gegenüber der Braunfäule. Davon auszugehen, dass alle Hybride die Braunfäule abwehren, halte ich jedoch für abwegig. Bei mir gibt es auch einige alte Sorten, die bisher auch von der Braunfäule verschont wurden. Eine gewisse Tendenz läßt sich jedoch herauslesen, daher ein Punkt für die Hybriden. 2:2

4. Ertrag: Grundsätzlich glaube ich, dass Hybride mehr Ertrag abwerfen können. Jedoch gibt es auch zahlreiche alte Sorten, die überdurchschnittlichen Ertrag abwerfen. Die Dattelwein, Black Cherry, Mex. Honig,... um nur einige zu nennen. Meine 2. Campari F1 aus dem letzten Jahr hatte weniger Ertrag als diese eben genannten Sorten. So pauschal lässt es sich nicht verallgemeinern, dass Hybride mehr abwerfen, daher ein Punkt für jeden. 3:3

4. Politik: Und genau dies ist ein ganz entscheidender Punkt. Meiner Meinung nach greifen wir mit unserem Konsumverhalten mehr in das politische Geschehen ein als wenn wir zu einer Wahl gehen. Bewußtes Einkaufen belebt die regionale Wirtschaft, erhält und schafft Arbeitsplätze, hält die Transportwege (nicht Kosten!) niedrig. Wenn wir jedoch spanische Glashaushybride kaufen, dann unterstützen wir ein komplett irrationales System. Abgesehen von den langen Transportwegen oder den fragwürdigen Pflanzenschutzmitteln geht es auch um das Diktat von wenigen großen Saatgutfirmen, die im Endeffekt bestimmen, welche Sorten von Tomaten bei uns im Supermarkt und in weiterer Folge auf unseren Tellern landen. Ein Großteil der alten Gemüsesorten ist in den letzten 100 Jahren bereits ausgestorben. Und deshalb lohnt sich der Anbau und die Erhaltung von alten Sorten und wir kommen zu einem Endstand: 4:3
-stefan-

Kommentare:

  1. Und "interessanter" sind die Heirlooms allemal - die links hinten stammt aus dem tiefsten Sibirien, und die vorne haben schon der ... Indianerstamm kultiviert. Ist ja fast wie eine kulinarische Weltreise, über jede meiner Pflanzen könnte man eine kleine Geschichte erzählen! Ich bin für 5:3

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  2. Mein Favorit sind auf jeden Fall die alten Sorten, einfach schon mal deshalb, weil sie mir viel natürlicher erscheinen.

    Was den Preis angeht, so liegt man mit den alten Sorten schon mal viel günstiger, da man hier a) Samen selber gewinnen und im kommenden Jahr wieder verwenden kann und b) mit anderen neue Sorten tauschen kann.

    Was den Ertrag angeht, so sind meine (ich muss endlich mal Bilder machen) heuer (trotz schlechtem Platz mit eigentlich recht wenig Sonne und wenig Zeit meinerseits) richtig gut. Keine Braunfäule und guter Ertrag - super!

    Für mich ists keine Frage: die alten Sorten haben die Nase vorn für mich - das ist aber rein subjektiv. Ich mag eben Underdogs :D

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